Jaguar E-Type Lightweight

Der Jaguar E-Type mit der langen Motorhaube sieht großartig aus, doch unterlag der Rennwagen Ende der 1950er Jahre im 24 Stunden Rennen von Le Mans dem Ferrari 250TR. Es lag nicht am Motor, sondern am Gewicht des Wagens. Also entwarfen die Briten eine „Lightweight“-Version aus Aluminium. Sie war 114 Kilogramm leichter als die Stahlhaut. Laut Produktionsbuch von 1963 sollten 18 Autos gebaut werden, es wurden allerdings nur 12.

Genau wie damals

50 Jahre später spinnen Chefdesigner Ian Cullum und ein Kollege beim Bier im Pub, man müsse die fehlenden sechs Autos heute bauen. Die Jaguar-Eigentümer geben grünes Licht. Seit 2008 gehören Jaguar und Landrover dem indischen Mischkonzern Tata. Die neue Abteilung „Special Vehicle Operation“ bei Jaguar macht sich an die Arbeit, doch die alten Baupläne fehlen im Archiv. Also rollen die Ingenieure einen alten E-Type in einen 3D-Scanner. Erstaunliche Erkenntnis: In den 1960er-Jahren wurden Autos noch nicht symmetrisch gebaut. Mit Material von heute, doch exakt wie damals (ohne Bremskraftverstärker oder Servolenkung) entstehen am historischen Jaguar-Firmensitz in der Browns Lane in Coventry zwei Prototypen und später sechs E-Types.

Jaguar E-Type Lightweight im Mobilen Leben der Süddeutschen Zeitung
Jaguar, eine Familientradition

Das ist kein Wagen für die Sammlung in der Garage“, sagt Kev Riches. Er verantwortet das Lightweight-Projekt bei Jaguar Heritage, einer Abteilung er Special Vehicle Operations, die erst im Sommer 2014 entstand. Der 56-jährige Brite ist seit 40 Jahren bei Jaguar. Sein Vater und etliche Verwandte haben ebenfalls für den Autohersteller gearbeitet. „Zusammengerechnet komme ich auf 140 Jahre Betriebszugehörig in unserer Familie“, sagt Riches. Er arbeitete in der Poduktion und am Wochenende schraubte er an seinem Privatwagen. „Bei den alten Autos gab es immer etwas zu tun, die tropfte Öl raus oder sie sprangen nicht an. Bei den neuen Autos ist das nicht mehr so. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, was ich am Samstag machen soll“, berichtet er schmunzelnd. Als das E-Type-Project startet, ist er sofort Feuer und Flamme. „Im Grunde mache ich da weiter, wo man Vater das Werkzeug beiseite gelegt hat.“ Genauso geht es Chris Burdett (31), dem Lead Design Ingenieur bei dem Projekt. Sein Großvater arbeitete bereits am Original-E-Type. Seine Familie kommt auf 170 Jahre Betriebszugehörigkeit. In der Browns Lane kann man den Stolz der Team-Mitglieder fast greifen. Auch wenn der traditionsreiche britische Konzern heute in indischer Hand ist, blickt man gern auf zurückliegende Erfolge.

Schon verkauft

Schließlich hat der E-Type die Form fast aller nachfolgenden Sportwagen beeinflusst. Käufer für die automobile Rarität waren schnell gefunden und das bei einem Stückpreis von rund einer Million Pfund. Zum Zweisitzer erhalten die Käufer einen passenden Reisekoffer und eine Bremont-Uhr. Die Mechanik der Uhr enthält Alu-Teile aus der E-Type-Fertigung. Seit Ende 2015 sind die E-Type Lightweights an ihre Besitzer ausgeliefert, um damit Rallyes und Rundfahrten zu bestreiten. Ich durfte mit Wagen Nr. 1 einige Runden über den Circuito de Navarra in Spanien drehen.

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