Tiriac Collection: 300 Autos in einer runden Garage – Frankfurter Rundschau

Tiriac Collection in Bukarest

Einen Mercedes-Benz 540K Cabriolet A von 1937 sieht man im Stadtbild von Bukarest selten. Doch an diesem Tag rollt das historische Auto zusammen mit zwei Mercedes-Benz S-Klassen vorbei am Triumphbogen über den Boulevard König Michael I von Rumänien (Regele Mihai I.).

Der Oldtimer gehört zur Tiriac Collection. Ion Tiriac ist in Deutschland vielen als Manager von Boris Becker noch ein Begriff. Der Unternehmer ist autobegeistert, doch irgendwann reichte der Platz in der heimischen Garage nicht mehr. Darum baute Tiriac in der Nähe des Flughafens eine deutlich größere Garage, die Raum für 300 Fahrzeuge bietet. Die meisten davon sind angemeldet und fahrbereit. Der 87-jährige Unternehmen setzt sich selbst noch gern hinter das Steuer seiner Lieblingsautos. Gleichzeitig bietet er der Öffentlichkeit Zugang zu seiner Sammlung, in der Autos aus 140 Jahren stehen. 

  • Mercedes-Benz 540K Cabrio A
  • Mercedes-Benz 540K Cabrio A
  • Mercedes-Benz 540K Cabrio A

Wachsende Sammlung

Begonnen hat es 2013 mit 80 Autos. Der erste Gebäudeteil ist rund, damit es von oben wie ein Autoreifen aussieht. „Heute sieht es aus der Luft komplett anders aus“, sagt Autoexperte Andrei Piciorus, der Besucher durch die Sammlung führt. Zwei Anbauten waren nötig, um die 300 Autos in der Dauerausstellung unterzubekommen. Hier stehen sie dicht an dicht. In den Anbauten befinden sich 130 weitere Autos, die aufbereitet oder repariert werden. Die Sammlung ist längst nicht abgeschlossen. Tiriac kauft weitere Autos. „Im Laufe des Jahres erwarten wir noch Modelle von Bugatti, Porsche und Rolly Royce“, sagt Piciorus.

Quer zur Fahrtrichtung sitzen

Tiriac hat ein Faible für Mercedes-Benz. Direkt im Eingangsbereich steht eine Replika des Benz Patent-Motorwagens von 1886. Insgesamt findet man 85 Modelle der Marke in seiner Sammlung. Ein Grund, warum der Autohersteller auf seiner Weltumrundung mit dem Titel „140 Places“ zum 140. Jubiläum einen Stopp inklusive Stadtrundfahrt mit dem historischen roten Cabrio einlegt. Der Reihenachtzylinder mit 180 PS ist der Inbegriff eines Luxusautomobils aus den 1930er Jahren. Von der A-Reihe wurden nur 83 Stück gebaut. Obwohl der Wagen 5,25 m misst, haben nur drei Personen Platz. Die dritte Person auf der Rückbank sitzt quer zur Fahrtrichtung. Mit seinem Roots-Kompressor, der sich bei Vollgas zuschaltet, werden aus 115 PS im Normalbetrieb 180 PS für bis zu 185 km/h. Dieses Modell aus der Sammlung hat mal Formel 1-Manager Bernie Ecclestone gehört. 

  • Phantom V von Elton John

Elton Johns Phantom

Etliche Modelle der Collection hatten prominente Vorbesitzer. So ließ sich Musiker Elton John in einem pink-weißen Phantom V von Rolls Royce aus dem Baujahr 1960 zu Konzerten chauffieren. Der Wagen steht in passender Gesellschaft. Insgesamt 13 Phantoms aus sieben Fahrzeuggenerationen findet man in hier eng aufgereiht. Mit dem grünen Phantom IV aus dem Jahr 1952 gewann Ion Tiriac 2015 einen Best of Class-Award beim Concours d´Elegance beim kalifornischen Oldtimer-Treffen in Pebble Beach. 

Blau statt Grün

Auch sein Schützling Boris Becker war schon hier. Laut Piciorus blieb der verträumt vor einem blauen Ferrari 400i aus dem Jahr 1983 stehen und schwärmte: „So einen hatte ich mal.“ Becker staunte, als er von Piciorus erfuhr, dass genau dieser Ferrari sein Auto ist. Ein Zwischenbesitzer hat den Sportwagen von Grün auf Blau umlackieren lassen. Allerdings gingen sämtliche Besitzer zurückhaltend mit dem Sportwagen um. Der Kilometerzähler zeigt gerade mal 5.641 km. 

  • Ferrari 400i

Vorlage für den Käfer

Bei der Fülle an Fahrzeugen, kann man beim Rundgang nur wenige Fahrzeuge von der Seite und damit in voller Länge betrachten. Dazu gehört der Mercedes-Benz 130 von 1935. Bei seinem Anblick fühlt man sich an den VW Käfer erinnert. Das ist kein Zufall. Ferdinand Porsche war bis 1928 Leiter des Konstruktionsbüros der Daimler Motoren-Gesellschaft. Der 130 war das erste Mercedes-Modell für den Massenmarkt mit einem Reihenvierzylinder-Motor im Heck. 

Mercedes-Benz W130

Lange Limousinen

Während der 540K für Luxus vor dem zweiten Weltkrieg steht, wurde der Mercedes-Benz 600 Pullmann zum Zeichen von Macht und Wohlstand im Nachkriegs-Deutschland. Von 1963 bis 1981 entstanden rund 2.190 Limousinen und knapp 430 Pullman-Versionen. Etliche Staatsoberhäupter und Prominente ließen sich darin chauffieren. Mit 6,24 Metern Länge und bis zu 2,8 Tonnen Gewicht ist er der längste und schwerste Personenwagen, den Mercedes-Benz je in Serie fertigte. Angetrieben wird er vom M100-V8 mit 6,3 Litern Hubraum und Trockensumpfschmierung. 

Weiße Schwäne


In der Ausstellung stehen zwei Pullmann mit 3,20 m und 3,90 m Radstand nebeneinander. Sie heißen weiße Schwäne. Laut Vertrag mit dem Vorbesitzer dürfen die Autos nicht einzeln verkauft werden. Sie sollen wie ein Schwanenpaar ein Leben lang beieinanderbleiben.

Die Collection in Bukarest ist für die Öffentlichkeit von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Der Eintrittspreis für Erwachsene liegt bei umgerechnet 9,50 Euro. Mit etlichen Exponaten würde man am liebsten direkt losfahren. Technisch geht das, bei vielen Exponaten sieht man Stromkabel in den Motorraum führen, damit die Batterie geladen bleibt. Beim SS One Tourer von 1935, der Vorläufer-Marke von Jaguar, steckt sogar der Zündschlüssel. Wie es sich für einen ehemaligen Tennis-Spieler und Sportmanager gehört, hat Ion Tiriac einen Tennisball als Schlüsselanhänger.

  • SS One Tourer

Geschrieben für Spotpress (€). Veröffentlicht bei Frankfurter Rundschau, Welt, HNA

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