Digitale Dienste im Auto: Das Ende mit Schrecken kommt – c´t

Abofalle Auto
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Ob Fahrzeugsteuerung per App, Staudaten in Echtzeit oder ein KI-gestützter Sprachassistent: Autos rollen mit zahlreichen Connected Services vom Band. In den ersten Jahren sind diese Dienste meist gratis – danach kann es teuer werden. Wie teuer genau, scheint niemand so richtig zu wissen.

Die Datenverbindung im Auto ist inzwischen so wichtig wie ausreichend Benzin im Tank oder Energie in der Batterie. Routenplanung mit Echtzeitverkehrsdaten, die Belegungsanzeige der nächsten Ladestation, Streaming der favorisierten Playlisten und Vorheizen per Smartphone bei eisigen Außentemperaturen – solche nützlichen Funktionen benötigen eine Internetverbindung über ein Mobilfunknetz sowie typischerweise einen Clouddienst des Autoherstellers. Beides summiert sich über die Lebenszeit eines Autos zu einem Kostenblock, für den der Nutzer aufkommen muss, sei es über den Kaufpreis oder ein Abo.

In der Regel ist der volle Funktionsumfang zeitlich begrenzt ohne Abo nutzbar. Dann muss sich der Besitzer entscheiden, ob ihm der Komfort eine kostenpflichtige Verlängerung wert ist. Das gilt meist auch für sicherheitsrelevante Dienste wie die Echtzeitinformation über ein nahendes Stauende oder ein liegengebliebenes Fahrzeug. Lediglich die Notruffunktion, die vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist (eCall), darf nicht abgeschaltet werden.

Im schlimmsten Fall werden Services nach wenigen Jahren nicht einmal mehr angeboten, da sich die technischen Rahmenbedingungen geändert haben oder notwendige Dienste von Drittanbietern nicht mehr zur Verfügung stehen, wie uns Leser berichteten. Will man wissen, welche Services zu welchen Konditionen bei den unterschiedlichen Herstellern verfügbar sind, wird es schon bei einem Neuwagen unübersichtlich. Herauszufinden, wie die Situation drei Jahre später aussehen wird, ist nahezu unmöglich.

In Zusammenarbeit mit dem ADAC hat c’t 16 Automarken zum Thema Datenkonnektivität befragt. Der Katalog umfasste zehn Fragen zur Dauer der Gratisphase, zu Abopreisen und zu Funktionsumfängen. Dies vorab: Wir rannten keine offenen Türen ein. Mercedes-Benz und Porsche sagten ihre Teilnahme aus „Kapazitätsgründen“ rundweg ab. BYD antwortet trotz mehrfacher Nachfrage nicht. Opel verwies für Antworten kurzerhand aufs Web. Das konsultierten wir natürlich auch für einige der unwilligen Hersteller und versuchten auf diese Art, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Preis finden – schwer gemacht

Damit begann die Sucherei. Parallel zur Umfrage haben wir alle Herstellerseiten zum Thema Datenkonnektivität aufgerufen. Diese sind längst nicht immer auf Anhieb zu finden und verärgern durch Intransparenz bei Preisen und Funktionsumfängen. Die KI-Chatbots der Hersteller antworten wiederum schnell und kreativ, aber liegen oft daneben. Sie liefern oft veraltete Informationen, denn die Systeme, Dienste und Preise wandeln sich stetig.

Auf den Seiten der Hersteller verliert man schnell den Überblick bei der Lektüre aller Angaben hinter Sternchen und Fußnoten. Kia nennt beispielsweise keine Preise für kostenpflichtige Abos, da die Testphase frühestens Mitte 2026 ausläuft. Bei Renault ist das im Jahr 2027 der Fall, also gibt es dort ebenfalls keine Preisangaben. Volvo nennt seinen Kunden die Abokosten erst kurz vor Auslaufen der vierjährigen Gratisphase.

Anders ist die Problemlage auf der Webseite von Mercedes-Benz. Da findet man beispielsweise das „Excellence-Paket“. Es umfasst 23 Dienste aus den Paketen Remote, Navigation und Guard 360° . Damit bekommt man fast alles, was im digitalen Kosmos der Stuttgarter möglich ist.

Für eine Preisangabe muss man sich allerdings mit einer Mercedes-Me-Adresse sowie der Fahrzeugidentifikationsnummer anmelden. Ohne Anmeldung sieht man lediglich, dass monatliche, 12- oder 36-Monate-Abos angeboten werden. Auch das Sommerangebot mit 15 Prozent Rabatt auf einzelne Pakete sieht man, nur den Endpreis erfährt der Interessierte nicht. Auch bei BMW sind Preisinformationen nur nach Eingabe einer Fahrzeugidentifikationsnummer voll zugänglich.

Upgrades buchen

Bei digitalen Upgrades für einzelne Funktionen sind die untersuchten Hersteller etwas offener unterwegs. Einige Preise findet man, allerdings bleiben die exakten Funktionsumfänge unklar. So bieten etwa Kia und Volkswagen Performance-Upgrades für E-Autos im Abo-Modell. Damit soll der E-Motor durch eine veränderte Ansteuerung mehr Leistung liefern. Bei Kia gilt das für den EV 9 Baseline mit Allradantrieb. VW bietet das für den ID.3 ab Modelljahr 2025 an. Das Upgrade kostet bei VW 18,90 Euro pro Monat oder 189 Euro pro Jahr. Allerdings erfährt der Interessierte auf der Webseite keine technischen Angaben zur Leistungssteigerung. Man benötigt den Zugang zu VWs Connect-Shop sowie ein dort angemeldetes Fahrzeug, um zu erfahren, dass die Motorleistung von 150 auf 170 kW steigen soll. Bei Kia erfolgt die Upgrade-Buchung über die Smartphone-App. Details zum Leistungsumfang erhält man ebenfalls nur, wenn das Modell in der App hinterlegt ist.

Aber es gibt in dieser Kategorie auch positive Beispiele. BMW nennt auf seiner Webseite Preise und Umfang der Upgrades. Da gibt es beispielsweise für 20 Euro pro Monat den Drive Recorder. Der funktioniert wie eine Dashcam, liefert jedoch eine 360-Grad-Aufnahme des Fahrzeugs in Bewegung. Für einmalig 150 Euro bekommt man die „Iconic Sounds“. Passend zum jeweiligen Fahrmodus hört man im Innenraum ein Motorengeräusch – immerhin vom Starkomponisten Hans Zimmer kreiert.

Blick ins Kleingedruckte

Die Aussagen zur Datenkonnektivität treffen leider nicht global für alle Modelle eines Herstellers zu. Es kommt auf das Modelljahr sowie die Elektronikarchitektur des Fahrzeugs an. Volkswagen unterscheidet Funktionalitäten und Namen zwischen seinen Verbrennermodellen auf der Plattform MQB und den Elektroautos auf der MEB-Plattform. Für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor hieß die Datenkonnektivität zunächst „We Connect“. Das wurde 2023 in „VW Connect (Plus)“ umbenannt. Das Plus steht jeweils für das größere Paket, das nach einer Gratisphase kostenpflichtig wird. Die Modelle der elektrischen ID-Reihe starteten zunächst unter „We Connect“ in den Markt. Ab Modelljahr 2024 heißt das Angebot ebenfalls „VW Connect (Plus)“. Hinzu kommen die unterschiedlichen MOD-Generationen. Das Akronym steht für Mobile Online Dienste und die zugehörigen Funktionen variieren je nach Fahrzeugmodell und Baujahr.

(…)

Weiterlesen bei Heise+ (€) oder c´t 4/2026 S.18

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