Transfăgărășan: Die beste Straße der Welt – Frankfurter Rundschau

140 Places Mercedes-Benz

Die Transfăgărășan in Rumänien zählt bei Autoreisenden zu den schönsten Bergstraßen Europas. Sie führt über das Făgăraș-Gebirge der Karpaten und verbindet die Walachei mit Siebenbürgen.

SP-X/Bukarest. In Landkarten ist die Route nüchtern als 7C verzeichnet. Dabei fordern die rund 90 Kilometer Serpentinen und die 2.000 Höhenmeter der Transfăgărășan einiges an Konzentration. Im Gegenzug gibt es spektakuläre Ausblicke, Wetterkapriolen und wilde Tiere am Straßenrand. 

Die Fahrt ist Teil der 140 Places-Tour, mit der Mercedes-Benz sein 140. Jubiläum begeht. Die Weltumrundung startete im Januar in zwei Vorserien-S-Klassen. Im Herbst steht die Route aus der rumänischen Hauptstadt Bukarest nach Sebes auf dem Programm. Natürlich gäbe es eine schnellere und komfortablere Verbindung zwischen beiden Orten, doch die Bergstraße ist ein fahrerischer Leckerbissen. 

Erbaut wurde sie in den 1970er Jahren als Militärstraße. Berühmtheit erlangte sie, durch die drei britischen Moderatoren der BBC-Sendung „Top Gear“. In einer Folge aus dem Jahr 2009 fahren die Drei mit Cabrios über die Bergstraße. Am Ende des Beitrags fasst es Jeremy Clarkson knapp zusammen: „Dies ist die beste Straße der Welt.“ Seitdem pilgern Autofans von Juli bis Anfang November über die Route. Den Rest des Jahres bleibt die Strecke geschlossen.

  • Sticker auf der S-Klasse für die 140 Places Tour
  • 140 #places Tour Mercedes-Benz

Start am Dracula-Schloss

Unsere Fahrt beginnt auf der südlichen Seite der Karpaten. Kurz vor dem Ort Căpățânenii Ungureni passiert man das Dracula-Schloss. Es ist die Ruine der Festung von Vlad Țepeș. Der Fürst diente Bram Stoker als Vorlage für seinen Roman. Unser Konvoi besteht aus zwei S-Klassen, benannt nach Carl und Berta Benz. Deren Initialen sieht man auf den Kennzeichen. Noch rollen beide Autos auf breiter, gut ausgebauter Fahrbahn. Wenig später öffnet sich der Blick auf den Vidraru-Stausee, ein künstliches Becken, das zur Stromversorgung der Region angelegt wurde. Ab hier beginnt der eigentliche Bergabschnitt mit einer Länge von rund 90 Kilometern bis zum Ort Oberkerz auf der Nordseite des Gebirges in Siebenbürgen.

Bär am Straßenrand (credit: Dirk Kunde)
Füttern gefährlich: Wilde Braunbären warten am Straßenrand auf Futter

Bären nicht füttern

Die Serpentinen ziehen sich in engen Schleifen den Hang hinauf. Die Luftfederung der S-Klasse gleicht die wechselnden Bodenwellen aus, ohne dass die Karosserie stark nachgibt. Ab dem Stausee warnen Schilder vor wilden Bären. Das Füttern der Tiere steht unter hoher Geldstrafe. Die Population lebt in den bewaldeten Hängen beiderseits der Straße. Gesehen werden die Tiere meist in der Dämmerung. Es dauert nicht lange, bis wir das erste Exemplar am Straßenrand entdecken. Alle Autos auf der Strecke bewegen sich im Schritttempo an dem Tier vorbei. Außer Handykameras wird nichts aus den Fenstern gehalten. Den Menschen scheint klar zu sein, wir gefährlich eine Fütterung enden könnte. Bis zum Einbruch der Dunkelheit sehen wir noch mehrfach Bären die Straße überqueren oder am Rand auf Futter warten. 

Viele Motorsportfans unterwegs

Wer entlang der Route eine Pause einlegen möchte, findet mit dem Treehouse Village eine Ansammlung von Holzhütten mit Restaurant. Auf den Stufen schlummern zwei Hunde, innen ist der Holzofen bereits angeheizt. Für uns geht es jedoch weiter zum Hotel Piscul Negro, das noch auf der Südseite liegt. Die Fahrt dorthin ist eine ruhige Reise durch dicht bewaldete Berge. Alles, was man auf Strecke zu hören bekommt, sind Vögel und gelegentlich quietschende Reifen sowie röhrende Motoren von ambitionierten Fahrern, die mit ihren Autos durch die Kurven driften. Da gilt es, bei entgegenkommendem Verkehr in den Kurven aufmerksam zu bleiben.

   

  • Serpentinen auf der Transfagarasan

Wurst und Käse im Angebot


Am nächsten Morgen schlängeln sich noch vor dem Sonnenaufgang die beiden S-Klassen die Serpentinen hinauf. Man passiert kleinere Wasserfälle und die Händler entlang des Weges öffnen bereits die Verschläge ihrer Holzbuden. Die Vielzahl der Verkäufer von Wurst, Käse und Gemüse lässt darauf schließen, wie beliebt die Strecke bei Touristen ist. Leider sind Haltbuchten für Autos rar. Alle paar Kilometer möchte man Anhalten, um den Blick in die Ferne oder hinab auf das geschlängelte Asphaltband in Ruhe genießen zu können. 

Wechsel der Jahreszeiten

Je höher man kommt, desto karger wird die Landschaft. Bäume stehen hier oben nicht mehr. Dafür hängt eine Wolke in der felsigen Bergwand. Ihr leichter Niederschlag bildet zusammen mit dem Sonnenlicht einen Regenbogen. Auf 2.042 Meter erreicht die Straße ihren höchsten Punkt, auch wenn die Berge noch höher ragen. An dieser Stelle passieren Autofahrer durch einen Tunnel auf die Nordseite. Dort liegt der Gletschersee Bâlea. Doch bevor man den zu sehen bekommt, passiert man ein Dorf voller Andenken- und Lebensmittelhändler. Von hier führen die Serpentinen bergab. An diesem Tag hängen auf der Nordseite dichte Wolken und es ist deutlich kühler. Es ist, als ob man mit dem Tunnel auch die Jahreszeiten von Sommer zu Herbst gewechselt hätte. Die Strecke ist weiterhin großartig zu fahren, aber es ist kein Fotowetter mehr.

  • Transfagarasan
  • Transfagarasan
  • Transfagarasan

Ein Leichtes mit der Reiselimousine

Für die neue S-Klasse ist die Transfăgărășan kein Belastungstest im technischen Sinn. Sie zeigt aber, wie das Fahrzeug mit wechselnden Fahrbahnverhältnissen, engen Radien und Höhenunterschieden souverän umgeht. Es ist eine Reiselimousine im besten Sinne. Kurz vor der Ortschaft Oberkerz wird die 7C wieder zu einer gewöhnlichen, geraden Landstraße. 

Die Transfăgărășan ist eine Straße, die weniger aufgrund ihrer Verkehrsbedeutung wirkt, also durch atemberaubende Landschaft, Steigungen und enge Kurven. Da muss man Jeremy Clarkson schon recht geben.

Geschrieben für Spotpress. Veröffentlicht von der Frankfurter Rundschau.

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