Goodwood Festival of Speed: Automesse unter freiem Himmel – Heise Autos

Goodwood Festival of Speed 2026
Heise Autos

Das Festival of Speed hat sich zur wichtigsten Automesse Englands entwickelt. Hersteller zeigen dort zwischen Tradition und Moderne ihre Zukunftsvisionen.

Die Briten lieben Tradition. Da ist das weitläufige Landgut des Duke of Richmond aus dem 17. Jahrhundert die passende Kulisse für eine ungewöhnliche Automesse. An vier Tagen pilgern rund 200.000 Besucher zum Goodwood House, das rund 100 km südlich von London in West Sussex liegt. Eine Automarke wie MG hat eine über 100-jährige Geschichte, mit der die aktuelle Palette allerdings nichts mehr zu tun hat. Seit vielen Jahren ist die Marke in chinesischer Hand. Wie ihre Zukunft aussieht, zeigen sie mit den beiden Konzepten Go und Cyber. Das Londoner Designbüro von MG hat den MG Go als Hatchback im B-Segment gestaltet. Der MG Cyber in Racing-Green ist ein SUV im D-Segment. Beide Elektroautos sollen im kommenden Jahr als Serienversion starten.

Historische Vorlagen

Das Team um Design-Direktor Carl Gotham habe sich, so heißt es, bei den Entwürfen von alten MG-Modellen leiten lassen. Für das SUV diente der MG EX 181 als Vorlage. Mit dem Auto fuhr Rennfahrer Stirling Moss 1957 auf einem Salzsee in Utah mit 395 km/h einen Geschwindigkeitsrekord. Für den Go diente der MG B GT als Vorlage, formuliert MG es optimistisch in einem Presseschreiben. Denn diese Analogien dürften eher Ideen der Marketingabteilung sein. Die lange Fronthaube des Kombi-Coupé ist beim Go, der eher wie ein Renault 5 oder Mini aussieht, nicht zu erkennen. Auch beim Cyber braucht man viel Fantasie, um das Rekordauto im neuen Konzept wieder zu erkennen.

  • MG Go
  • MG Go
  • MG Cyber
  • MG Cyber

China enters Great Britain

Eventuell übertreiben es die Briten an mancher Stelle mit einem sehr optimistischen Blick auf ihre Tradition. Nüchtern betrachtet ist die britische Autoindustrie nur noch ein Schatten ihrer selbst. MG gehört heute zum Autokonzern SAIC aus Shanghai. Den größten Pavillon mit drei Stockwerken stellt in diesem Jahr BYD. Der weltweit größte Hersteller von Elektroautos aus Shenzhen präsentiert acht Fahrzeuge ihrer drei Marken BYD, Denza und Yangwang.

BYD in Goodwood 2026

BYD in Goodwood 2026

BYD leistet sich nicht nur einen riesigen Messebau, sondern stellt selbstbewusst auch einen Fanshop auf – was vor ein paar Jahren noch absurd erschienen hätte.Bild: Dirk Kunde / heise Medien

Im Zentrum steht der elektrische Sportwagen Denza Z, der als offenes Cabrio und als Coupé ausgestellt ist. Die Premiummarke Denza kommt mit dem Z9 GT, dem Offroader Bao 5 sowie dem Mini-Van D9 nach Europa. Mit dem Yangwang U9 Xtreme setzen die Chinesen auf einen Super-Sportwagen. Das E-Auto stellte im Herbst 2025 mit 496,22 km/h auf dem Testgelände Papenburg einen Rekord als schnellstes Serienfahrzeug auf.

BYD Yangwang U9 Xtreme

Den Hügel hinauf

Auch wenn das Festival das Wort „Speed“ im Namen trägt, geht es hier nicht um Rundenzeiten. Die Rennstrecke ist nicht mal ein Rundkurs, sondern ein 1,86 km langer geteerter Feldweg 93 Höhenmeter den Hügel hinauf. Als Charles Gordon-Lennox, der heutige Duke of Richmond, die Veranstaltung als Oldtimer-Treffen 1993 ins Leben rief, gestattete man ihm nicht, den nahegelegenen Rundkurs um einen ehemaligen Luftwaffen-Stützpunkt für Rennen zu nutzen. Kurzerhand verlegte er die Fahrten auf sein Gelände.

Doch hier gibt es nur die Einbahnstraße den Hügel hinauf. Die Straße ist eng und wer nicht aufpasst, landet schnell in den Strohballen am Fahrbahnrand. Somit ist die Streckenzeit eher nebensächlich. Das Publikum auf den Tribünen klatscht und johlt am lautesten, wenn die Fahrer direkt vor dem Goodwood House ein paar Donuts drehen und dann erst den Hügel erklimmen. Direkt vor dem gräflichen Wohnsitz steht in diesem Jahr eine Skulptur mit geschwungenen Bögen, an deren Ende drei Porsche 911 befestigt sind. Das Kunstwerk ehrt die Restauratoren von Singer Design, die alte Autos restaurieren bzw. wieder neu aufbauen.

Denza Z
BYD zeigt das Sportauto Denza Z

Elektrische Alpine A110

Renault präsentiert dem britischen Publikum die Serienversionen des Twingo E-Tech, Renault 5 Turbo 3E sowie den Renault 4 mit Faltdach (Plein Sud), was perfekt zum hochsommerlichen Wetter mit über 30 Grad Celsius passt. Alpine setzt stärker auf historische Modelle, präsentiert aber als Ausblick auf die elektrische A110 auf der neuen Alpine Performance Plattform. Der Prototyp ist an dem Wochenende auch auf der Rennstrecke zu sehen. Das macht einen Teil der Anziehungskraft von Goodwood aus: Während man bei Messen nur stehende Autos zu sehen bekommt, gehen Neuheiten wie Alpine A110 über Honda Prelude HRC Concept bis Jaguar Type 01 auf den Hillclimb.

Cupra und Mercedes in Goodwood

Die Marke Cupra ist erstmals in Goodwood vertreten. Im Mittelpunkt des Pavillons stehen der Formel-E-Rennwagen Cupra Kiro Race und der elektrische Kleinwagen Raval. Nebenan enthüllt AMG mithilfe von Formel-1-Fahrer und WM-Führendem Kimi Antonelli den Mercedes-AMG CLA 45. Das viertürige Coupé liefert mit drei E-Motoren 500 kW. Mit dem Dynamic Plus Paket sind bis zu 270 km/h möglich.

The Duke of Richmond (rechts) und Kimi Antonelli. Der führt aktuell in der Formel 1 die WM an. Bild: PA Media

Familienprogramm

Das gehört ebenfalls zur Erfolgsformel der Autoshow: Prominenz. Auch Weltmeister Lando Norris und Alpine-Fahrer Pierre Gasly haben Auftritte auf dem Landgut. Das Programm bietet für die ganze Familie etwas. Es gibt Live-Musik, Mitfahrgelegenheiten über einen Offroad-Parcours bei Defender und BYD sowie einen Mercedes Formel-1-Simulator.

Da es in Großbritannien keine bedeutende Automesse gibt, hat das Festival of Speed in West Sussex diesen Platz eingenommen. Raum für weitere Exponate bietet das weitläufige Landgut durchaus. Doch ist die Anreise durch die engen Dorfstraßen der Region eine Geduldsprobe. Wer es sich leisten kann, reist mit dem Hubschrauber an. Dafür wird eine große Wiese an den vier Tagen zum Hubschrauberlandeplatz. Wie so vieles in Goodwood ist auch das erstaunlich routiniert organisiert. Ob sanitäre Einrichtungen oder Verpflegung, schattige Plätze oder kostenloses Trinkwasser: Der Aufwand, der hier für vier Tage betrieben wird, ist enorm und hinterlässt den Eindruck, dass sich die Veranstalter wirklich um ihre Gäste bemühen. Eines sei Besuchern nachdrücklich empfohlen: Sie brauchen bequemes Schuhwerk, denn es gibt auf dem weitläufigen Gelände viel zu entdecken.

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