
Der elektrische Renault 5 ist eine gelungene Wiederauflage des Kleinwagens. Als Stadtauto spielt der Wagen seine Stärken aus.
Die Grande Nation tritt selbstbewusst auf, auch beim elektrischen Kleinwagen: Der Gangwahlhebel im Renault 5 trägt die Farben der Tricolore Blau, Weiß, Rot. Im Fußraum des Beifahrers steckt ein Baguettekorb, den der Überbringer des Wagens mit einem frischen Weißbrot bestückt hat.
Außerdem spielt der französische Autohersteller geschickt mit seiner Vergangenheit. Der Renault 5 ist eine Wiederauflage des Erfolgsmodells aus den 1970er Jahren. Von 1972 bis 1994 wurde der Kleinwagen in zwei Generationen mit Verbrennungsmotor gebaut, weltweit wurden neun Millionen Stück verkauft. Bei der Neuauflage erkennt man die Form von damals wieder.
Wem das nicht gelingt, der wirft einen Blick auf das Etikett auf der Rückseite des Fahrersitzes. Hier sind vier Modelle von 1972 bis heute aufgestickt. Zum Wiedererkennungswert gehören auch die knalligen Farben, die damals dank Pop Art beliebt waren. Heute stehen grelles Gelb, Grün oder Rot zur Auswahl.
100.000 Stück produziert
Türverkleidung, Sitze und der gesteppte Dachhimmel bestehen aus recyceltem Stoff. Das gepolsterte Armaturenbrett im Beifahrerbereich perfektioniert mit gelben Ziernähten die Wohnzimmer-Atmosphäre.Bei Käufern scheint die teils exzentrische Neuauflage des Kleinwagens gut anzukommen. Etwas mehr als ein Jahr nach Fertigungsbeginn im nordfranzösischen Douai lief bereits das 100.000. Exemplar vom Band. In Deutschland wurden in diesem Jahr bereits 7.369 Exemplare neu zugelassen. Damit steht der R5 auf Platz 22 der Zulassungsstatistik von Elektroautos.

One Pedal Drive wird nachgeliefert
Zur Auswahl stehen die Batteriekapazitäten 40 und 52 kWh. Damit einher geht ein fremderregter Synchronmotor an der Frontachse. Dieser verfügt über eine Leistung von 90 kW (122 PS) bei dem kleinen und 110 kW (150 PS) bei dem großen Akku. Renault nennt seine Plattform, die zukünftig auch Ford für seine elektrischen Kleinwagen nutzen wird, Ampr Small. Schon heute basieren der Alpine A290 und der Nissan Micra auf dieser Plattform.
Mit einem echten One-Pedal-Modus hat der Micra aktuell einen Vorteil gegenüber dem Renault 5: Der kommt erst nach einem Update 2026 zu einem vollständigen Stopp, wenn man den Fuß vom Fahrpedal nimmt. Im Testwagen rollt das Auto im Gang B aus, bis man die Bremse tritt.
Winterwetter kostet Reichweite
Unser Testwagen ist ein Iconic Five 150 Comfort Range auf 18 Zoll Leichtmetallfelgen mit der großen Batterie. Laut WLTP-Angaben sind damit im kombinierten Verkehr 405 km und in der Stadt bis zu 569 km möglich. Doch davon ist man im Winter bei einstelligen Celsius-Graden weit entfernt. Bei 85 Prozent Batteriekapazität zeigt der Renault 5 eine Reichweite von 327 km. Mit 100 Prozent dürfte die reale Reichweite bei rund 385 km liegen.
Am öffentlichen Schnelllader hätte der Ladevorgang von 85 bis 100 Prozent noch weitere 90 Minuten gedauert. Die erlaubte Ladezeit von 60 Minuten war mit der Ladung von 28 bis 85 Prozent bereits erreicht. Das entspricht einer durchschnittlichen Ladeleistung von nur 30 kW. Dabei soll das Auto mit Gleichstrom mit bis zu 100 kW laden. Bei unseren Ladevorgängen war bei 70 kW das Maximum erreicht. Allerdings fehlte die Vorkonditionierung der Batterie.
Damit die Angabe für die Ladezeit eine halbe Stunde nicht überschreitet, gibt Renault als Ladehub den Bereich von 15 bis 80 Prozent an. Für einen Modellvergleich sind 10 bis 80 Prozent angebracht. Am Wechselstromanschluss mit 11 kW benötigt der Wagen drei Stunden und 13 Minuten für diesen Ladehub.

Ein Franzose mit deutschem Akzent
Das Vorheizen der Batterie funktioniert, wenn man im Navi die Ladestation als Ziel eingibt oder wenn auf längeren Fahrten die Ladesäule eine Zwischenstation ist. Das Infotainment nutzt Renaults OpenR-Link mit Android Automotiv OS mit Google Maps, dem Google-Assistenten sowie dem Play Store.
Der Hersteller hat noch einen zweiten Sprachassistenten mit ChatGPT-Anbindung verbaut, der auf „Hey Reno“ reagiert. Der stellt sich bei jedem Fahrzeugstart vor, bis man es im Menü untersagt. Dann erscheint die blau-gelbe Raute nur nach gesprochener Aufforderung.
Reno hilft vor allem bei Fragen zum Auto. Auf Wunsch wechselt er während einer Konversation ins Französische. Dann spricht der Assistent mit deutschem Akzent, die Zahlen sagt er allerdings auf Deutsch. Dafür hat jeder Verständnis, der in der Schule lernen musste, dass die Zahl 80 als 4 mal 20 im Französischen gesprochen wird.
Hinten will niemand sitzen
Im Stadtverkehr spielt der Renault 5 seine Stärken aus. Nach dem Ampelstart ist der 1.524 kg schwere Wagen in 3,3 Sekunden auf 50 km/h. Sein Wendekreis liegt bei 10,3 m. Angesichts seiner 3,92 m Länge und einer Breite von 1,74 m verlieren enge Parklücken und zugeparkte Wohnstraßen ihren Schrecken.
Insgesamt überrascht die umfangreiche Ausstattung des Kleinwagens: Die Türen entriegeln bei Annäherung mit dem flachen Funkschlüssel in der Hosentasche. Nach dem Aussteigen gilt das Gleiche beim Entfernen vom Fahrzeug. Der Fahrersitz wird zwar manuell verstellt, verfügt jedoch über eine elektrisch verstellbare Lordosenstütze.
Frontsitze und Lenkrad werden auf Wunsch beheizt. Der Fahrassistent hält die Spur, Geschwindigkeit und Abstand zum Vorausfahrenden. Nach einem Ampelstopp genügt der Druck auf die Lenkradtaste Res(et) und der Wagen setzt sich wieder in Bewegung. Allerdings ist das Assistenzsystem wie bei fast allen Level-2-Systemen etwas zu defensiv unterwegs. Die übrigen Autofahrer dürften mich entweder für verträumt oder für einen Fahranfänger halten.

App-Anbindung
Renault bietet eine Smartphone-App für den Renault 5, mit der sich Ladevorgänge und Parkstandorte aus der Ferne einsehen lassen. Eine Ladeplanung absolviert man damit nicht. Das funktioniert mit Google Maps auf dem Smartphone. Hat man sich morgens am Küchentisch eine Route ausgesucht, erscheint sie später im Suchverlauf von Google Maps im Auto, wenn beide Systeme dasselbe Konto nutzen.
Wer lieber mit seinem Smartphone navigiert, nutzt die Verbindung via Android Auto oder Apple Car Play.
Kein Platz für die Beine
Die acht Lautsprecher des Harman-Kardon-Systems liefern einen beeindruckenden Sound. Dabei ist der Bauraum in dem Kleinwagen mit einem Radstand von 2,54 m begrenzt. Das spüren vor allem Insassen auf der Rückbank. Bei meiner Sitzposition vorn bleibt hinten kein Platz für Beine.
Unter der Fronthaube gibt es keinen Stauraum. In den Kofferraum passen 326 Liter Gepäck. Legt man die Rückenlehne um, werden daraus 1.106 Liter.
Der Renault 5 verbraucht viel
Mit der ganzen Familie will man mit diesem Auto nicht in den Urlaub fahren. Unsere Autobahnfahrt verläuft zwar bei bis zu 150 km/h erstaunlich ruhig, doch steigt dabei die Verbrauchsanzeige sprunghaft an. Auch wenn im Testzeitraum die Fahrten in der Stadt überwiegen, lag der Verbrauch nie unter 20 kWh auf 100 Kilometer. Das ergibt eine rechnerische Reichweite von knapp über 250 km.
Für die Fahrleistung eines Kleinwagens ist das hoch. Der Grund dürfte in der gewünschten Heizleistung von 21 Grad Celsius sowie aktiver Sitz- und Lenkradheizung liegen. Der Hersteller gibt einen kombinierten WLTP-Verbrauch von 15,2 und 10,4 kWh in der Stadt an.

Parkbremse am falschen Platz
Beim Losfahren musste ich während des Testzeitraums mehrfach die Startprozedur – Knopf drücken, Fuß auf die Bremse, Gangwahlhebel in D legen – wiederholen, bevor der Wagen fahrbereit war. Beim Parken drückt man intuitiv auf den Knopf des Gangwahlhebels, der aussieht wie ein Lippenstift. Allerdings hat der transparente Knopf mit Renault-Logo keinerlei Funktion.
Bei anderen Herstellern befindet sich hier die Parkbremse. Die hat Renault in der Ablage oberhalb der induktiven Ladefläche für Smartphones positioniert.
Keine Warnung bei Übergeschwindigkeit
Gewöhnungsbedürftig ist auch die Ausstattung mit drei Stockhebeln rechts hinter dem Lenkrad. Der obere ist der Gangwahlhebel (Lippenstift). In der Mitte aktiviert man die Scheibenwischer. Mit dem unteren steuert man Lautstärke und Medienwiedergabe. Verwechslungen sind nicht ausgeschlossen.
Gut gelöst ist die Abschaltung des Tempowarners. Dazu drückt man zweimal auf den Knopf links vom Lenkrad. Vorher muss man allerdings einmalig im Menü MySafety Perso die „akustische Warnung bei Übergeschwindigkeit“deaktivieren. Mit dem Knopfdruck werden alle Einstellungen, die man hier auswählt, aktiviert.

Goldleiste ist ein Extra
Wer sein Auto am Straßenrand parkt und hauptsächlich Strecken innerhalb der Stadt absolviert, findet mit dem Renault 5 ein kompaktes und gelungenes Stadtauto. Der Preis unseres Testwagens liegt bei 37.200 Euro.
Die Grundausstattung für den Iconic Five beginnt bei 34.400 Euro. Kostenpflichtige Optionen sind das Harman-Kardon-Soundsystem, der Fahrassistent, ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose sowie die V2L-Funktion, bei der externe Geräte mit Energie (3,7 kW) versorgt werden. Natürlich zählt auch die schmucke Goldleiste über den Fenstern zu den kostenpflichtigen Extras.
VW ID.Polo als starke Konkurrenz
Unser Test hat gezeigt, dass selbst die Variante mit großem Akku nur bedingt langstreckentauglich ist. Das liegt am recht hohen Verbrauch und der geringen Ladeleistung. Wer das Auto nur auf kurzen Strecken nutzt, dürfte daher auch mit dem kleinen Akku gut bedient sein. Die günstigste Einstiegsvariante Evolution kostet in diesem Fall zuzüglich Überführungskosten 28.000 Euro. Die WLTP-Reichweite wird mit 312 km angegeben.
Der neue VW ID.Polo dürfte daher eine starke Konkurrenz für den Renault 5 darstellen. Die Polo-Version mit großem Akku hat eine höhere Reichweite, eine höhere Ladeleistung und einen deutlich größeren Kofferraum. Die Version mit kleinem Akku startet hingegen schon bei unter 25.000 Euro. Noch ist allerdings unklar, wie viel der vollausgestattete ID.Polo mit großem Akku am Ende kosten wird.
Weiterlesen bei Golem.

