
Die Reiselimousine Xpeng P7+ bietet ruhiges Design, hohe Ladeleistung und viel Komfort. Gegen einige Schwächen der Bedienung hilft aber nicht einmal Gewöhnung.
Dass ich die ultraschnelle Ladesäule bereits bei 62 Prozent SOC anfahre, ist reine Neugier, denn XPeng verspricht für den P7+ mit 446 kW eine Ladeleistung weit oberhalb der üblichen Werte. Die meisten europäischen Schnellader geben deutlich weniger her, deshalb nutze ich die Gelegenheit eines Ladeparks des niederländischen Anbieters Fastned, an dessen Säulen immerhin bis zu 400 kW fließen können. Es dauert nur wenige Sekunden und die Anzeige auf der Ladesäule steigt auf 268 kW – trotz des hohen, anfänglichen Ladestands.
Für die meisten aktuellen E-Autos wäre das ein Spitzenwert, für den Xpeng P7+ sind es gerade mal 60 Prozent der möglichen Ladeleistung. Aber: Die Batterie ist noch mehr als halbvoll, das Thermometer zeigt gerade mal 15 Grad und die Batterie-Vorkonditionierung war auf dem Weg hierher nicht aktiv. Letztere sollte bei der kälteempfindlichen LFP-Zellchemie Pflicht sein, obwohl es immer noch Hersteller gibt, die das nicht anbieten.

12 Minuten Ladezeit
Schon die Standard-Version des P7+ schafft beachtliche 350 kW, der Testwagen ist die noch schneller ladende und weiter fahrende, sogenannte Long-Range-Variante mit Heckantrieb. Sie soll laut Datenblatt unter idealen Bedingungen zwölf Minuten benötigen, um von 10 bis 80 Prozent zu laden. Nach fünf Minuten Ladezeit zeigt die schmale Anzeige hinter dem Lenkrad bei der eingangs beschriebenen Zwischenladung 100 km mehr Reichweite an, es geht weiter.
Mit dem bereits in Deutschland erhältlichen XPeng P7 hat der P7+ nicht viel zu tun. Er basiert auf einer neuen technischen Plattform, bietet 800-Volt-Batterietechnik und ist neun Zentimeter länger. Der P7+ ist eine Limousine mit viel Platz und großem Komfortangebot. Unter anderem ein adaptives Fahrwerk (DCC), Akustikglas sowie Heizung, Lüftung und Massagefunktion für alle Sitze sollen Reisen entspannt gestalten. Markus Schrick, Geschäftsführer von XPENG Deutschland, mag beim P7+ nicht von Premium sprechen, obwohl die Ausstattung es rechtfertigen würde. Die Marke soll hierzulande aber „der deutscheste aller chinesischen Anbieter werden“. 2026 soll die Zahl der Händlerstandorte von 60 auf 110 wachsen, mit 8000 Autos als Absatzziel. 2027 sollen es 15.000 werden.

Hinten genießen
Der beste Platz ist hinten rechts. Dort kann man die Fahrt unter dem großen Glaspanoramadach und mit einem soliden Klapptisch am besten genießen. Bei drei Metern Radstand ist die Beinfreiheit hier auf Oberklasseniveau. Der Bildschirm zwischen beiden Sitzen ermöglicht ein Verschieben sowie Einklappen des Beifahrersitzes. Hier zeigt sich, dass das Auto als Chauffeurs-Wagen konzipiert wurde. Hinter der Rückenlehne, die sich zehn Grad nach hinten verstellen lässt, ist Raum für 573 Liter Gepäck. Mit umgeklappter Rückenlehne werden daraus 1931 Liter. Es überrascht, dass es keine ausziehbare Kofferraumabdeckung gibt. Aber ein Kontrollblick zeigt: Durch die getönte Heckscheibe kann man nicht in den Kofferraum schauen.

Unter der Fronthaube befindet sich kein Stauraum. Das überrascht bei 5,07 m Länge und dem einzigen Motor im Heck. Der Wagen ist 1,94 m breit und mit 1,51 m niedrig. Sein Design ist sportlich-modern, aber ohne jegliche Extravaganz bis auf die Zweifarblackierung. Der Testwagen ist dunkelgrau, ab dem Greenhouse aufwärts schwarz.
Drei Varianten
Das Basismodell kommt mit einem 180 kW starken permanenterregten Synchronmotor an der Hinterachse und einer LFP-Batterie mit 61,7 kWh. Das reicht laut WLTP für 455 km. Die Long-Range-Version mit 230 kW im Fahrbericht schöpft aus einem 74,9-kWh-Akku, was laut WLTP 530 km Reichweite ermöglicht. Die Allradvariante nutzt ebenfalls die große Batterie und kommt durch den Zusatzmotor vorn auf eine Systemleistung von 370 kW. Diese Variante sprintet in 4,3 Sekunden auf 100 km/h und hat eine Reichweite bis zu 500 km. Alle drei Versionen nutzen die Sepa-2.0-Plattform und können bis 200 km/h schnell fahren.
Der Akku des P7+ stellt auf Wunsch mit der Vehicle-to-Load (V2L)-Funktion auch Strom zur Verfügung. Bis zu 3,3 kW kann beispielsweise ein Werkzeug, Haushaltsgerät oder E-Bike aus der Batterie ziehen. Zwei Smartphones werden kabellos in der Ablage per Induktion geladen und gleichzeitig mit kühler Luft umströmt.
Vielfältiger Rückblick
Das Head-up-Display erleichtert die Navigation. Allerdings zeigt es in der Grundeinstellung auch alle übrigen Verkehrsteilnehmer an, die von 26 Sensoren erfasst werden. Die kleinen grauen Autos des Gegenverkehrs, parkende Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer lenken nur ab und bieten keinen Mehrwert. Zum Glück kann man im Menü in den Navigations- oder Basismodus wechseln. Dann sieht man nur noch die relevanten Fahr- und Navigationsdaten in der Projektion.
Praktisch ist die Darstellung der rückwärts gerichteten Kamera in der Windschutzscheibe. So hat man beim Abbiegen den toten Winkel direkt im Blick. Den Innenspiegel ersetzt ein Bildschirm, der ein klares Bild der Heckkamera zeigt. Wer digitale Spiegel nicht mag, kann auf den klassischen Spiegel umstellen. Kundenwunsch erfüllt, nur sieht man damit fast gar nichts, weil ein Querbalken die Heckscheibe zum Sehschlitz degradiert.

Der Roboter hilft
Zum Menü sei noch erwähnt: Die Anzahl der Rubriken als auch die Textmenge bei den Unterpunkten erschlagen einen. Die Schriftgröße ist zu klein, um die gewünschte Option während der Fahrt auf Anhieb zu treffen. Hier erweist sich der Sprachassistent als nützliche Hilfe. Ein möglichst deutsch ausgesprochenes „Hey Xpeng“ ruft einen kleinen Roboter auf den mittleren Bildschirm (15,6 Zoll Diagonale). Dieser namenlose Roboter setzt Wünsche zu Fahrzeugfunktionen oder das Öffnen von gesuchten Menüpunkten direkt um.
Damit wird deutlich, dass das erst 2015 gegründete Unternehmen seine Ursprünge in der Softwareentwicklung hat. Das weiß auch Volkswagen zu schätzen und übernahm im Herbst 2023 rund fünf Prozent der Unternehmensanteile von Xpeng. Jetzt entwickelt man gemeinsam E-Autos. Der ID.Unyx 08 kommt dieser Tage in China auf den Markt.
Ruppiger Spurhalter
Aber auch bei Xpeng ist nicht jede Software-Anwendung gleichermaßen perfekt. So fordert mich das System wiederholt auf, die Hände ans Lenkrad zu nehmen. Dabei befinden sie sich genau dort. Auch der Spurhalteassistent (LCC) korrigiert übermäßig ruppig die Position des Autos in der Fahrspur. Deaktivieren kann man den LCC nur bei Stillstand. Außerdem funktioniert dann der Xpilot nicht mehr, der das Auto auf Tempo, Abstand und in der Spur hält. Darauf angesprochen, findet auch Deutschland-Chef Markus Schrick ein Software-Update vor der Auslieferung sinnvoll.

Aufgeräumtes Cockpit, hier mit der hellen Innenausstattung 
Praktische Routen- & Ladeplanung mit allen Infos 
Geräumiger Kofferraum mit 573 Liter Stauraum, allerdings ohne Abdeckung 
Großes Glasdach, aber kleine Hechscheibe. Da hilft der digitale Rückspiegel 
Bis zu 200 km/h schnell 
Autor Dirk Kunde macht die Testfahrt in Barcelona Spaß
Sparsam unterwegs
Der Verbrauch ist für das 2100 kg schwere Auto wohl auch aufgrund der Aerodynamik niedrig, dazu tragen 1,51 m Dachhöhe und ein cW-Wert von 0,21 bei. Der WLTP-Wert liegt bei 16,4 kWh. Am Ende der Probefahrt steht ein Verbrauch von 14,9 kWh auf 100 km auf dem Zähler. Dass der Verbrauch auf der Probefahrt so deutlich darunter blieb, dürfte nicht zuletzt an der Route hauptsächlich über Landstraßen liegen.
Keine Premium-Preise
Der P7+ startet bei 46.600 Euro in der Basisversion. Die Long Range kostet 49.600 Euro. Die Allradvariante liegt bei 53.600 Euro. Alle genannten Ausstattungsmerkmale wie die Assistenzsysteme, Massagesitze, Glasdach, Head-up-Display usw. sind Teil der Serienausstattung. Einen Aufpreis zahlt man nur, wenn man die Standardfarbe Arktis-Weiß nicht möchte. Auch die elektrisch ausklappbare Anhängekupplung kostet extra (1190 Euro). Damit zieht der P7+ bis zu 1500 kg oder transportiert Fahrräder bis 75 kg.
Xpeng P7+ RWD Long Range: Technische Daten
| Hersteller und Modell | XPeng P7+ RWD Long Range |
|---|---|
| Motor und Antrieb | |
| Heckmotor Art | Permanenterregter Synchronmotor |
| Leistung in kW | 230 |
| Drehmoment in Nm | 450 |
| Fahrwerk | |
| Spurweite vorn in mm | 1632 |
| Spurweite hinten in mm | 1662 |
| Maße und Gewichte | |
| Länge in mm | 5071 |
| Breite in mm | 1937 |
| Höhe in mm | 1512 |
| Radstand in mm | 3000 |
| Kofferraumvolumen hinten in Litern | 573 – 1931 |
| Kofferraumvolumen vorn in Litern | – |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 2100 |
| Zuladung in kg | 485 |
| Batterie in kWh (netto) | 74,9 |
| Zellchemie der Batterie | LFP |
| Fahrleistungen | |
| Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in Sekunden | 6,2 |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 200 |
| Verbrauch | |
| Verbrauch WLTP in kWh/100 km | 16,4 |
| Ladeleistung an AC in kW | 11 |
| Ladeleistung an DC in kW | 446 |
| Reichweite in km (WLTP) | 530 |
| Ladezeit 10 auf 80 Prozent in Minuten | 10 |
| Spannungsebene in Volt | 800 |
| Daten Stand | 03.2026 |
Quelle: Xpeng
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